Samstag, 5. April 2025

Meine 14. Kalenderwoche 2025

"Was uns im tiefsten Sinne menschlich macht,
ist nicht die Leistung,
sondern ist unsere Solidarität -
die schützende Hand über all jene,
die Teil unserer Gesellschaft sind. "
Martyna Linartas, Politikwissenschaftlerin

"Hätte es Social Media bereits in den 1960er-Jahren gegeben, 
hätten wir heute noch Pocken und Polio."
Eckart von Hirschhausen

"You have nothing to fear but fear itself."
Franklin D. Roosevelt, 32. Präsident der USA


Da ich Appetit auf Spargel hatte, hab ich mich auf den Weg gemacht, um nachzuschauen, ob der Stand aus dem Umland schon wieder da ist. Gleichzeitig wollte ich den Stand der Kirschblüte in unserer "Heerstraße" ermitteln. War nich. Selbst die Magnolie an der Kirche öffnete jetzt erst ihre Knospen. Aber sie ist auch dem frischen Ostwind ausgesetzt, anders als mein Hausbaum. Noch genieße ich den Abend am liebsten in meinem Gehäuse. Es ist doch noch sehr frisch am Wochenende gewesen, tagsüber 13°C, 9°C abends.


Mit dem Spargel hab ich mir eine Crinkle Tarte gebacken aus Filoteig mit Feta und ordentlich Minze & Petersilie. Ganz mein Geschmack! Und anschließend habe ich wieder gelesen. Das ist momentan mein ganzes Glück, wenn ich alleine bin. Übrigens blüht inzwischen bei uns auch der Spitzahorn - ein Grün, das ich besonders gern mag.



Am Montag bin ich schon aus einem schlechten Traum völlig neben mir stehend aufgewacht. Und dann die Nachricht: Die Freundin musste sich nach dreizehnwöchigem Kampf um ihr Leben geschlagen geben. ( Wie sagt der 90j. "Held" des Buches von Fabio Andina, das ich grade lese: "Wenn die Batterie den Geist aufgibt..." ) Es waren einfach zu viele "Angreifer".

Vielleicht nicht wirklich überraschend kam später in Gedanken an den nun verwitweten Freund der Gefühlszustand vom Hochsommer 2022 wieder hoch & flutete mich. Hat angedauert, und ich habe mich zunächst an meiner Nähmaschine hochgezogen und bin abends mit dem Bus zur Aquafitness gefahren. Das hat dann gut getan.



Bei der Heimkehr gab es rosa Wölkchen am Himmel: Alles wird gut! ( Versöhnt auch mit der Sommerzeit, da ich nicht mehr im Dunkeln nach Hause kommen muss. )

Am nächsten Tag habe ich weiter geräumt, sortiert und zum Container gebracht. Dabei das witzige T-Shirt meines Maler-Nachbarn Rolf J. im Fenster seines Ateliers entdeckt. Hat mich zum Schmunzeln gebracht.



Immer wieder streicheln sie meine Seele: meine Hausbäume! Klar, liebe Andrea, das ist die Antwort auf Frage Nr. 1 der "Fotofragezeichen": "Was hast du diese Woche täglich gesehen?"




"Was stand diese Woche auf deiner To-Do-Liste (und hast du es geschafft)?", war Frage Nr. 2 der Zitronenfalterin für diese Woche. Meine Antwort: "Krankenbesuche!"



Und der galt erst einmal der Lieblings-Ex-Kollegin mit ihrer angerissenen Achillessehne. Dazu bin ich mit der S-Bahn in meinen allersten Schulbezirk auf der Schäl Sick gefahren. Bis sechs Uhr haben wir auf ihrer sonnigen Terrasse gegessen, geplauscht, genossen, den vielen Vögeln gelauscht.


Was wird die Stadt auf einmal grün! Wenn noch die Sonne dazu kommt, dann finde ich Köln einfach schön.




Donnerstags sah es bei 21°C mit den Japankirschen in der Nelkenstraße schon ganz anders aus als fünf Tage zuvor: ein Traum in Rosa!



Von Sunni habe ich übrigens die originelle Vasenhülle aus Stoff mit einem Monet-Motiv zugeschickt bekommen, die mich ans Schmunzeln gebracht hat. Die Flasche darunter hat ein paar Stängel der Dichternarzisse aus meinem Garten aufgenommen. Ein herzliches "Dankeschön" für dich!



Gegen Ende der Woche - bei täglich mehr als 20 -Grad- Temperaturen - löste mein Süßkirschbaum im Garten die Magnolie mit üppigstem weißen Blütenflor ab.



Auch das Weidenkätzchen im Bonsaiformat auf dem Terrassentisch blühte. Und selbst die Gleditschie an der Straße vor meinem Haus trieb langsam aus. 

Was für ein herrlicher Frühling in diesem Jahr, das sonst eher zum... ist...!


Gelesen habe ich am letzten Wochenende mit großem Vergnügen, aber auch inhaltlichem Interesse Percival Everetts Roman "James", eine Kontrafaktur, ein Gegenentwurf also, auf eines der berühmtesten Werke der Dichtung überhaupt: "The Adventures of Huckleberry Finn" von Mark Twain

Twains Buch gilt als Schlüsselwerk der US-amerikanischen Literatur und ist sicher von manchen unter euch, liebe Leserinnen & Leser, in der Kindheit & Jugend gelesen worden als spannende, abenteuerliche Geschichte aus dem Amerika der Zeit der Sklavenhalter. Mark Twain erzählt aus der Perspektive und in der Sprache eines Jungen seiner Zeit, Huck. 

Everett nun wählt die Perspektive des Sklaven Jim, der sich selbst als James versteht. Und der spricht das Sklaven Pidgin nur als Tarnung gegenüber den Weißen, ist er doch des Englischen mächtig, kann Lesen & Schreiben, ist gebildet mittels der Bibliothek des Richters Thatcher ( der quasi Hucks Vormund ist ), kennt Voltaire, Søren Kierkegaard und John Locke, dessen Ideen die amerikanische Verfassung geprägt haben.

Dabei hält sich Everett weitgehend an den Plot des Twainschen Buches, eine veritable road novel auch bei ihm. Die Abenteuer, die die Helden bei Twain auf dem Mississippi erleben, bleiben also erhalten. Herrlich allerdings die von ihm erfundene Episode, in der James - als Schwarzer geschminkt - zusammen mit echten Weißen in einer Minstrel Show zum Amüsement des Publikums mit angeblichen Sklavenliedern, von einem Weißen gedichtet, auftritt, um der Sklaverei zu entkommen. Die Dixie-Romantik der Südstaaten wird an dieser Stelle vom Autor ganz schön auf die Schippe genommen.

Das ist vor allem das, was ich aus diesem Buch mitgenommen habe: Manches, was bei Twain - womöglich absichtlich - opak geblieben ist, wird in Everetts Darstellung ausbuchstabiert. Er überschreibt die Legenden der amerikanischen Geschichte, die eben kein Idyll gewesen ist, weil er die Lücken und Leerstellen unserer Sichtweise aufs Sklavenhaltertum bzw. die realen Auswirkungen des Rassismus füllt, indem er beschreibt, was Sache ist: Z. B. die Folterung & Tötung eines Sklaven, der seinem Herrn einen Bleistiftstummel - eine Nichtigkeit, die das Ausleben von Sadismus begründen soll - geklaut hat oder die Vergewaltigung einer Sklavin sowie das anschließende selbstbewusste, breitbeinig - chauvinistische Auftreten des weißen "Massa". ( In diesem Zusammenhang kamen mir wieder Berichte in den Sinn, dass die bei den Amerikanern so extrem beliebten DNA-Tests zur Herkunftsanalyse überraschend, aber gehäuft, aufdecken, wie viele afrikanische Gene ihre angeblich so weiße DNA aufweist, was sie auf das tatsächliche Sexualverhalten ihrer ach so glaubenstreuen, hochmoralischen Vorfahren stößt.  )


Die Lektüre hat mich sehr aufgewühlt. Und das zusammen mit den Postings der amerikanischen Ureinwohner, die ich bei Instagram verfolge, hat mich noch einmal mit der Nase drauf gestoßen, auf welch krimineller Basis, auf welcher Gewalt, Ausbeutung und unchristlicher Menschenverachtung ( trotz anders lautender Moral ) dieses land of the free aufgebaut ist. 

Geschätzt zwei Millionen Angehörige indigener Völker sind dem Genozid ( z.B. durch durch eingeschleppte Krankheiten ) preisgegeben worden, enteignet & in Reservate gesteckt, ihre Kultur zerstört. Und Millionen von Afrikanern sind zur Sklavenarbeit herangeschafft worden und haben so die Grundlagen immensen Reichtums gelegt. Der wirtschaftliche Liberalismus ist auch später noch weiter in Richtung Ausbeutung & Bereicherung getrieben worden. Empathie, so viel haben wir Naivlinge, die die christliche Botschaft ernst genommen haben, noch mal aus Musks Mund gehört, ist "die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation".

Ja, es wundert mich gar nicht mehr, was da aktuell in diesem Land abgeht, vorgedacht seit 1973 und angeleitet durch die "Heritage Foundation" und ihrem "Project 2025", in einem 900 Seiten starken Strategiepapier niedergeschrieben. Finanziert wird diese erzkonservative Denkfabrik von Multimilliardären wie Robert Mercer, Betsy DeVos, Charles & David Koch ( fossile Energien ). Und auch Elon Musk ist da kein Unbeleckter in diesem Kreis. ( Übrigens: Auch der ehemalige deutsche Minister mit den irren Maskendeals pflegt regen Kontakt. )

Hinter der Fassade von Chaos und impulsiver Politik eines Dlanod Pmurt steckt ein durchdachter Masterplan, so nicht nur mein Eindruck. Der ist sozusagen nur eine willkommene Marionette. Die hyperkapitalistische Krake hinter ihm hat auch längst ihre Arme nach Europa ausgestreckt und willige Mitstreiter in den Blaunen bei uns, der Fid*sz in Ungarn, der V*x in Spanien gefunden. Bei einem geheimen Treffen am 11. März 2025 in Washington wurden beispielsweise Pläne zur Zerschlagung der EU diskutiert. Wir müssen uns warm anziehen.

Eigentlich weiß ich das schon lange, dass die USA nicht das sind, als was sie sich so gerne plakativ inszenieren. Aber zwischendurch hab ich es auch verdrängt oder ihnen zugute gehalten, was sie unmittelbar nach Kriegsende in "meiner" Stadt aufgebaut und geleistet haben. Auch habe ich mich mit den Bürgerrechtsbewegungen der Afroamerikaner, der Frauen, der Schwulen in den 1960/70er Jahren identifiziert, mit den "guten" Amerikanern. ( Erst 1964 wurde übrigens per Gesetz verankert, dass Schwarze dieselben Rechte haben wie Weiße ).

Jetzt, wo sich das alles auch gegen uns richtet, verlieren wir die Fassung. Aber vielleicht sollten wir  - ja, auch ich - uns fragen, warum wir so lange so verblendet waren. Warum wir uns eingebildet haben, es träfe nur die anderen.
                                                                                                           

P.S. It's not all americans: Cory Booker redete 25 Stunden im US-Senat gegen den Zerfall der Demokratie an. "A moment of poetic justice": Der bisherige Rekordhalter bei einem derartigen Filibuster war Strom Thurmond ( übrigens auch einer, der mit seiner 16jährigen schwarzen Hausangestellten ein Kind gezeugt hat ). 1957 hat der sich solcherart gegen zivile Rechte für Schwarzamerikaner ins Zeug gelegt, um zu verhindern, dass jemals ein Mensch mit dem Äußeren eines Cory Booker im Senat würde sprechen können. - Große Reden sind nicht spontan – sie sind Arbeit. Redezeit ist Deutungshoheit. Bookers Marathonrede war auch eine Machtdemonstration – gegen Trump, gegen rechte Rhetorik, gegen das Schweigen.
 
P.S.S. Nate White, ein britischer Autor, fasste die Charakterzüge des 47. amerikanischen Präsidenten zusammen, hier im Original zu lesen. Sehr zutreffend! Genau das ist es, was diese "deutsche Kartoffel" so menschlich unsympathisch macht. Die Geschichte um die Magnolie am Weißen Haus dann noch mehr.
                    
Zu guter Letzt die heutigen Verlinkungen: Samstagsplausch, Fotofragezeichen und Mosaic Monday 

Freitag, 4. April 2025

Friday - Flowerday #14/25


Es wird immer mal bemerkt,
dass diese Vase eine Lieblingsvase ist.
Stimmt!


In ihr lassen sich Blumen gut arrangieren
und die Proportionen stimmen - in meinen Augen - meist.

Diesmal also gefüllte Tulpen in der Farbe von Erdbeereis, ...

... zusammen mit zwei Clematisstängeln, Wolfsmilch und Heidelbeergestrüpp.


Ein kleiner Pappmaché - Hase, 
den ich bei Heike Roesner vor  neun Jahren gekauft habe, jubelt mit dem Strauß mit. 


Allen ein schönes Frühlingswochenende!

                                                            


Für euch wieder das Linktool,
geöffnet bis Dienstag früh:

Donnerstag, 3. April 2025

Great Women #412: Lina Bo Bardi

Mein Vater, ein vielfältig interessierter, bildungshungriger Bauernsohn, hatte in den 1960er Jahren ein Abonnement der "Westermanns Monatshefte" - auch für mich, ebenso wissbegierig, eine wichtige Informationsquelle. Darin war eine Fotoreportage über die neu errichtete Hauptstadt Brasiliens, die mich gefangen nahm: So eine beeindruckende Architektur! Und einer der Schöpfer, Oscar Niemeyer, blieb mir im Gedächtnis. Dass auch eine Frau am brasilianischen Architekturfrühling beteiligt war, habe ich erst sechzig Jahre später erfahren. Ihr, Lina Bo Bardi , gilt mein heutiger Post.


"Der 'wahre' ist nicht der kultivierte Mensch, 
sondern derjenige, 
der fähig ist, im Alltag Poesie zu entdecken. 
Es ist nicht der gebildete Mensch, 
sondern derjenige, dem die Natur vertraut ist."

1910
Lina Bo Bardi erblickt als Achillina Bo am 5. Dezember 1914 im XXII. Stadtteil von Rom, Prati di Castello, das Licht der Welt, in den angespannten ersten Monaten des 1. Weltkriegs. Sie ist die erste von zwei Töchtern des genuesischen Ehepaares Giovanna Adriana Grazia und Enrico Bo, ein Bauingenieur & Bauleiter sowie "Sonntagsmaler", der ihr das Zeichnen beibringt, als er das Talent des Mädchens erkennt. Sie malt zudem mit Gouache und Aquarell, mit der gleichen Liebe zum Detail wie ihr Vater. 

Lina gilt als schwieriges Kind, ist sie doch temperamentvoll bis aufbrausend und fühlt sich oft einsam. Entsprechend turbulent ist ihre Schullaufbahn, und die Mutter bemängelt, dass sie sich den patriarchalischen Rollenanforderungen an Frauen nicht beugen mag. 1933 schließt sie eine Ausbildung am Kunstgymnasium in Rom ab und besucht anschließend, vom Vater in ihrem Ziel unterstützt, zwischen 1934 und 1939 als eine von zwei Frauen die Facoltá di Architettura der Università degli Studi di Roma. 

Universitätscampus
CC BY-SA 4.0
Auf dem Höhepunkt des Faschismus ist das Studium vom renommierten & mit dem Regime verbandelten "Staatsarchitekten" Marcello Piacentini geprägt. Der ist übrigens verantwortlich für die Gestaltung des römischen Universitätscampus gewesen und Anhänger eines reduzierten Neoklassizismus. Ein weiterer Lehrer ist Gustavo Giovanonni, der größte Bauhistoriker und Denkmalpfleger jener Zeit in Italien, der methodische Ansätze zur Verbindung von Städtebau und Denkmalpflege in Altstädten entwickelt hat, den ersten ihrer Art in Europa. Lina wird später auf seine Anschauungen zurückgreifen.

Ihr Architekturstudium schließt Lina Bo mit einer Abschlussarbeit für ein Entbindungsheim ab, das die Prinzipien moderner Architektur beherzigt. Zusätzlich zu der relativ schlechten Note wird sie von Direktor Marcello Piacentini mit der Bemerkung herabgesetzt, dass sie, eine bella ragazza, am Ende doch nur heiraten und niemals Architektur praktizieren werde.

Der politischen Instabilität wegen tauscht die 25jährige 1940 ihre Heimatstadt gegen das norditalienische Mailand ein, wo sie zusammen mit dem Architekten & Möbeldesigner Carlo Pagani das Studio "Bo e Pagani" gründet. Mit ihm projektiert sie Messestände & Ausstellungsinterieurs. Gleichzeitig arbeitet sie - unbezahlt - für den chamäleonartigen Architekten Giò Ponti, Schöpfer bedeutender Bauten & Designer kleinster Alltagsgegenstände, Förderer des italienischen Kunsthandwerks, dessen Büro sich unter anderem der Organisation der Triennale der dekorativen Künste widmet. Außerdem arbeitet Lina mit ihm an der Zeitschrift "Lo Stile – nella casa e nell'arrendamento" und fertigt für die Zeitschriften wie "Grazia" oder "Belleza" Ilustrationen an.

Mit finanzieller Unterstützung durch ihren Vater kann Lina 1943 ein eigenes Büro eröffnen, welches aber noch im gleichen Jahr durch einen Bombenangriff zerstört wird. Dieses Ereignis veranlasst sie zu einem stärkeren Engagement in der Kommunistischen Partei Italiens. Von 1944 an ist Lina stellvertretende Direktorin der Zeitschrift "Domus". Die Mission des Magazines ist, Architektur, Innenräume und italienische dekorative Kunst zu erneuern, ohne Themen zu vernachlässigen, die für Frauen von Interesse sind, wie die Wohnung einzurichten, Gartenarbeit oder Kochen. Lina reist auf der Suche nach Kunsthandwerk durch Italien und organisiert eine Ausstellung mit Stoffen für Vorhänge und Polstermöbel für das italienische Unternehmen Rima ( später in ihrer Karriere wird sie das im  São Paulo Museum of Art aufgreifen ). 

Auf der Reise durch Italien
1945

Zweifellos prägen die junge Frau ihre Beobachtungen,  als sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges für "Domus" durch ihr Heimatland reist, zusammen mit einem Fotografen und dem Journalisten Pietro Maria Bardi, um die Zerstörung bis ins kleinste Detail zu dokumentieren und gleichzeitig Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Gebäude und Denkmäler wieder aufgebaut werden können. Für Lina geht es bei der Erhaltung darum, sich an die Vergangenheit zu erinnern und sich gleichzeitig ihres Platzes im gegenwärtigen Moment sehr bewusst zu sein ( siehe auch diese Architektin ). Wie viele andere ihrer Generation versucht sie, den gewaltigen Erschütterungen und Verwüstungen des Krieges mithilfe von Architektur und Möbeldesign etwas entgegenzusetzen, um eine neue Lebensrealität zu schaffen.

In einer anderen Zeitschrift, die sie 1945 mit Bruno Zevi  – "Cultura della Vitta" – herausgibt, die aber nur ein Dreivierteljahr auf dem Markt bleibt, entwirft sie einen Artikel eine Vision von der Freiheit der Frauen im 20. Jahrhundert, die durch Haushaltsgeräte und eine amerikanische Küche ermöglicht werden wird. 

Pietro Maria Bardi

Da sie an der italienischen Widerstandsbewegung teilgenommen hat, ist das Leben im Nachkriegsitalien für sie schwierig, zumal sie sich mit dem 14 Jahre älteren Bardi, neben dem Journalismus auch als Kunsthändler, Kritiker, Herausgeber tätig, auch privat zusammen tut. Bardi ist eine wichtige Figur in der Kulturpolitik von Benito Mussolini. gewesen, während Lina sich eher für die Mailänder Linke engagiert hat. Als Faschist gelabelt, hat Bardi keinen Grund zum Optimismus, was seine Zukunft  im Land betrifft. Umgekehrt traut ihm die Rechte nicht mehr über den Weg, ist er doch unter dem faschistischen Regime für seine geäußerten Meinungen zensiert worden.

Pietro Maria Bardi, am 21.2.1900 in La Spezia in eher einfache Verhältnisse hineingeboren, hat sich mangels schulischer Bildung autodidaktisch weitergebildet und es schließlich bis zum Journalisten in Bergamo gebracht. Später macht er sich einen Namen als Kunstkritiker & -händler mit eigener Galerie in Mailand. Da er schon 1933 eine erste Reise nach Südamerika unternommen hat, um eine Ausstellung in Buenos Aires zu kuratieren, und die Gelegenheit genutzt hat, Brasilien zu besuchen, fasst er eine Auswanderung dorthin ins Auge.
Nachdem Bardi von seiner ersten Ehefrau geschieden ist, heiraten er & Lina im August 1946. Die Frischvermählten verlassen Italien via Genua an Bord des Frachters "Almirante Jaceguay" und gehen im Oktober desselben Jahres in Rio de Janeiro von Bord, wo sie die ersten Monate bleiben. Das Land bietet beiden gute Aussichten auf persönlichen Erfolg durch sein vielversprechendes Architekturszenario. Brasilien ist damals ein junger, aufstrebender und sozialistischer Staat, der ihnen auch ideologisch den ersehnten Abstand zum zerstörten Europa bietet. Sie werden niemals bedauern, Italien verlassen zu haben. In einem Interview wird sie 1991 sagen: "Ich erinnere mich nicht an Italien, und es interessiert mich auch nicht im Geringsten."

Das Ehepaar 1951
Zunächst organisiert das Paar drei große, erfolgreiche Ausstellungen mit europäischer Kunst. Im folgenden Jahr wird Linas Ehemann von Assis Chateaubriand, Medienmogul von "Diários Associados", eingeladen, das "Museu de Arte de São Paulo" (MASP) zu gründen und zu leiten. 

Chateaubriand ist für die Finanzen und die notwendigen Kontakte zuständig, Pietro Bardi kümmert sich um den Aufbau einer Sammlung und Lina um den Umbau einer schlichten Büroetage. Diese wird für die ersten Jahre das Zuhause des neuen Museums sein, bevor die Gelder zusammengekommen sind für einen Neubau. 

Da sie für die Innenräume des Provisoriums auf dem brasilianischen Markt keine Möbel vorfindet, entwirft sie eigene. Deshalb, nachdem sie weiter in die größte Stadt Brasiliens gezogen sind, gründet Lina mit einem Landsmann das "Studio d’Arte Palma", eine Firma für Industriedesign.

Klappstuhl aus Holz & Leder (1948)

Mit ihrem Ehemann, mit dem sie ein nahezu grenzenloses Engagement für moderne Architektur und eine Liebe zur brasilianischen Populärkunst teilt, gibt sie von 1950 an das Magazin "Habitat" heraus, welches einen Rückblick auf Architektur und Kunst in Brasilien gewährt und wichtiges Werkzeug ihres ehrgeizigen, praktischen Kulturprojekts wird.

1951 wird Lina brasilianische Staatsbürgerin, im selben Jahr stellt sie ihre berühmte Residenz am Stadtrand von  São Paulo, die "Casa de Vidro", fertig. Die Einflüsse Le Corbusiers und Frank Lloyd Wrights lassen sich bei diesem Entwurf nicht verleugnen. Die einfache, glaswandige Struktur sitzt auf schlanken Säulen und ist von Bäumen umgeben, von denen einige durch einen zentralen Innenhof beim Wachsen zusehen kann und die bald Teil des Dschungeldachs werden, dass die Bewohner künftig überspannen wird. Der riesige Garten – einst Teil eines uralten Regenwaldes – kann über ein Netzwerk aus Stein- und Keramikpfaden erkundet werden. Das Konzept der Bepflanzung des Hanges ist der Architektin dabei ebenso wichtig, wie das Haus selbst.

Hier sind viele Fotos von diesem Haus heute anzuschauen, dass inzwischen der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Lina bevorzugt bei ihrem eigenen Haus handgefertigte Einzelstücke, einige davon werden später in Produktion genommen, darunter der hornförmige, handschmeichelnde Türgriff, der bei der britischen Marke Izé erhältlich ist, und der "Bowl"-Stuhl ( Eingangsfoto ), der inzwischen von der italienischen Firma Arper neu aufgelegt worden ist. Letzterer besteht aus einer gepolsterten Schale, die in einem ringförmigen Rahmen sitzt, der von Hand in eine aufrechte oder liegende Position gebracht werden kann.

Bemerkenswert ist auch die großzügige Küche dieses Hauses:


Die "Casa de Vidro" ist Linas Labor für Experimente, was durch ihre Autonomie als Bauherrin möglich ist. Im selben Viertel von São Paulo entwirft sie später noch ein Haus für ihre Freundin Váleria Cirell:

Noch 1958 beginnt sie mit Entwürfen für den Neubau des Kunstmuseums von São Paulo,.

1955 erhält Lina eine Professur an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung an der Universität von São Paulo. 1959 entwirft sie für die 5. Biennale von São Paulo eine Ausstellung über nordöstliche Kultur, "Bahia no Ibirapuera", und wird daraufhin zur Direktorin des "Museu de Arte Moderna da Bahia" (MAMB)  in San Salvador de Bahia ernannt – eine für eine Frau damals beispiellose Ernennung, die mit einem Umzug in die drittgrößte Stadt Brasiliens mit der größten Küstenlinie am Atlantischen Ozean verbunden ist. Das Museum selbst befindet sich in Solar do Unhão, einer historischen Stätte aus dem 16. Jahrhundert, am Rande der Allerheiligenbucht. Mit minimalen Eingriffen lässt sie diesen Komplex für den Ausstellungsbedarf umbauen.

"Museu de Arte Moderna da Bahia"

In dieser Zeit nimmt die Architektin die brasilianische Kultur in sich auf. Sie nimmt sich das bis heute wirkmächtige"Manifesto Antropófago" ( Kannibalen-Manifest: "Statt das Fremde wegzuschieben, das Fremde fressen" ) von 1928 des brasilianischen Schriftstellers Oswald de Andrade zu Herzen. Kerngedanke dieser Theorie ist, dass die brasilianische Kultur als Kolonialland und eine der vielfältigsten Gesellschaften der Welt auf der Integration sowohl der internen brasilianischen Kultur als auch der ausländischen Einflüsse beruht. Ausländische Kultur geht in der brasilianische auf und wird Basis eines neuen Stils. Diese Integration der afrobrasilianischen Kultur in die Mainstream-Pop- und Hochkultur ist ein Merkmal der gesellschaftlichen Entwicklung Brasiliens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

So wie Oscar Niemeyers Modernismus ein Spiegelbild des fortschrittlichen Bürgertums Brasiliens ist, integriert Lina die brasilianische Populärkultur in ihr Konzept einer Architektur der Armut, die später, nach dem Militärputsch im März 1964, zu einem wichtigen Grundsatz der brasilianischen Architektur  werden wird.

"Casa do Benin" (1988)
Lina entwirft später für die Stadt das Foyer des Castro Alves Theater (1967), das Gregorio de Mattos Theater und die Casa do Benin, und sie entwickelt den Sanierungsplan für das historische Stadtzentrum Bahias. 

Die "Casa do Chame-Chame" ( heute zerstört ) hingegen ist ein Privatprojekt, das an seinen Außenmauern über und über mit Kieselsteinen und verschiedenen Objekten wie Muscheln, Keramikscherben, Bruchstücken von Glasflaschen oder Spielzeug bedeckt gewesen ist. Linas gebaute Hommage an die Populärkultur  in seiner bewussten Einfachheit und Armut des Materials.

Nach fünf Jahren wird sie vom neuen Regime entlassen ( Niemeyer wird sogar nach Frankreich verbannt ) und sie kehrt nach São Paulo zurück.

Dort nimmt ihre Arbeit für das spätere kulturelle Wahrzeichen der Stadt, an einer Hauptschlagader, der Avenida Paulista, gelegen, Fahrt auf. Sie stellt das Museum für Moderne Kunst 1968 fertig. Dieses monolithische Wunderwerk wird schnell zu einem der kultigsten Gebäude der brasilianischen Architektur, Beispiel für den Tropical Modernism. 

Architekturmodell 
"Museu de Arte de São Paulo" (MASP)
Das Bauwerk weist Elemente des brutalistischen Stils auf: Ein fast vollständig verglaster rechteckiger Baukörper hängt an zwei gewaltigen Stahlbetonträger, die wie Brücken über dem Gebäude stehen und das Haus gute zehn Meter über dem Boden schweben lassen- eine große, überdachte öffentliche Piazza und spiegelt Linas Wunsch wider, die menschlichen Bedürfnisse in den Mittelpunkt ihrer Entwürfe zu stellen. Um die Dramatik der Geste noch zu unterstreichen, lässt Lina die beiden Stahlbetonträger in kräftigem Rot streichen. 

Für den Innenraum erfindet sie gläserne Ausstellungsstaffeleien, die die Kunstwerke von den Wänden nehmen und es den Besuchern ermöglichen, sie sowohl von hinten als auch von vorne zu betrachten.

Es sind Räume von grenzenloser Freiheit mit farbigen Akzenten, Ausdruck der Rebellion gegen die Militärdiktatur & Sinnbild des freien Denkens. Als das Museum 1968 feierlich eröffnet wird, ist es eine Sensation. Dass das Militär das MASP kurz nach seiner Einweihung vorübergehend schließt, kann als Beleg gelesen, dass Linas Architektur demokratisch und populär ist. Linas Ehemann wird übrigens bis 1996, drei Jahre vor seinem Tod, Direktor des MASP bleiben.

Dieser Entwurf in seiner drastisch modernen Sprache bildet allerdings weitgehend eine Ausnahme im Werk von Lina Bo Bardi. 

In den vielen anderen von ihr entworfenen Häuser und Möbeln sucht sie statt einer puren, radikalen Moderne lieber nach Verbindungen mit lokalen Bau- und Handwerkstraditionen. Die Häuser sind von Gärten, Veranden, Terrassen und Höfen umgeben und der Aufbau der verschiedenen Raumschichten, die mit Schiebeelementen und großen Fenstern verbunden werden, erinnern an japanische Architektur. Bei den Materialien nutzt Lina immer wieder roh belassene Baumstämme aus der unmittelbaren Umgebung, Lehm, traditionelle Dachziegel, Kiesel und Keramikfliesen wie bei der "Casa do Chame-Chame". Manchmal greift sie folkloristische, afro-brasilianischen Architektur auf, aber immer gelingt es ihr, alles Nostalgische oder Romantisierende auszuschließen.

Der Militärputsch hat Linas Arbeit an öffentlichen Aufträgen zunächst ein jähes Ende gesetzt. Wie in Italien hat sie sich auch in Brasilien politisch geäußert. Drei große Projekte von ihr bleiben so ungebaut, während sie vor allem an Ausstellungen, Film- und Theaterprojekten arbeitet.

1977 kann sie endlich wieder einen öffentlichen Auftrag wahrnehmen: Sie soll die gewaltige, alte Fabrik "SESC Pompéia" in einem Armenviertel von São Paulo abreißen und stattdessen ein modernes Sport- und Freizeitheim errichten. Aber Lina denkt keine Sekunde daran, sondern überlegt, wie sie dieses Industrierelikt mit wenigen Eingriffen erhalten kann. 

Neben den gewaltigen Schornstein setzt sie zwei mächtige Neubauten mit Sichtbetonfassaden: einen zwölfgeschossigen Turm und einen etwa zehngeschossigen Quader mit völlig unregelmäßigen Fensterlöchern, die von innen mit groben Schiebeelemente aus knallrot gestrichenem Holz geschlossen werden können. 

Zwischen die beiden Gebäude spannt sie markante Betonbrücken, auf denen die Benutzer der übereinander gestapelten Sportfelder und des Schwimmbades sichtbar hin- und herlaufen können. Sie schafft einen (Frei-)Raum ohne Hierarchien, einen Ort für eine breite Öffentlichkeit, der soziale Unterschiede vergessen oder gar verschwinden lässt. Innen gestaltet sie alle denkbaren Formen von Veranstaltungssälen, Bühnen, Treffpunkten, Versammlungsräumen sowie eine Stadtteilbibliothek. Sie entwirft auch Teile der Inneneinrichtung. Immer wird sie angetrieben von ihren Prinzipien, High and Low, Kunst und Leben, Jung und Alt, Arm und Reich zu vereinen. Selbst das Plakat der Eröffnung ist von ihr gestaltet.

Das "SESC Pompéia", Linas ehrgeizigstes Projekt, beansprucht sie fast ein Jahrzehnt und wird ihr letztes vor ihrem Tod sein.

Restaurant "Coatí"  ( 1987/88 )

Ein kleineres Projekt in den 1980er Jahren nimmt sie in San Salvador de Bahia in Angriff, als sie mit einem Architektenkollegen eine Lösung für die Ladeira da Misericórdia entwickelt. Dieser Komplex im Herzen des historischen Zentrums von Bahia umfasst drei Kolonialgebäude, das Restaurant "Coatí" ( "Nasenbär" ) und die Bar "Três Arcos". Auch dort will sie einen Raum für Kultur, Bildung, Handel und Freizeit schaffen, der das historische Erbe in das tägliche Leben der lokalen Bevölkerung integriert, wie es ihrem lebenslangen architektonischen Selbstverständnis entspricht. Die geplanten Eingriffe werden jedoch nicht abgeschlossen, und der architektonische Komplex ist jahrelang dem Verfall preisgegeben. 

Eines ihrer interessantesten Projekte im Hinblick auf das Recycling von Gebäuden ist allerdings das "Teatro Oficina" in São Paulo. Mehrere Jahre  hat Lina schon eng mit José Celso Martínez Correa, dem Direktor und Gründer der Theatergruppe "Uzyna Uzona", bei der Schaffung verschiedener Bühnen kooperiert. 1984 wird sie beauftragt, das Theater in einem verlassenen Bürogebäude der Stadt zusammen mit einem Kollegen zu entwerfen. Besonders ist, dass sie das Gebäude als Straße konzipiert, 50 Meter lang und neun Meter breit.

Über die private Lina ist wenig herauszufinden, außer dass sie es geliebt hat, mit ihren Aussprüchen Kontroversen auszulösen. So nennt sie sich, bewusst provozierend, eine Stalinistin und Antifeministin und kreiert viele verschiedene Geschichten über ihr Leben. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, aber eine Kommunistin, wie ihr oft nachgesagt wird, sei sie nicht gewesen, so ihre Biografin Evelyn Furquim Werneck Lima

Lina Bo Bardi stirbt mit 77 Jahren am 29. März 1992 in ihrer "Casa do Vidro". Sie hinterlässt noch Entwürfe für ein neues Rathaus in São Paulo und ein Kulturzentrum für Vera Cruz im Nordosten Brasiliens.

Wieso ihre Arbeiten so lange nicht zum Kanon der modernen brasilianischen Architektur gezählt werden, ist heute nicht nachzuvollziehen. Vielleicht ist ihre Architektur dafür nicht "pur" genug gewesen, weil sie ihre Vorstellungen einer alle Lebensbereiche verbessernden Moderne stets mit lokalen Anleihen und im direkten Austausch mit den Menschen vor Ort entwickelt hat? Weil sie soziales, politisches und kulturelles Engagement über die "reine Lehre" gestellt hat? Eine ihrer wichtigsten Leistungen ist es doch, Bauten geschaffen zu haben, die in der lokalen Öffentlichkeit höchste Akzeptanz finden, auch wenn sie sich gängigen Klassifikationen entziehen.

Für ihre Anerkennung setzt sich später das 1990 gegründete "Instituto Bardi", sesshaft in ihrem Wohnhaus, dank seiner Ausstellungen & Veröffentlichungen und seiner Medienpräsenz, so dass es nach und nach gelingt, ihr internationale Referenz zu verschaffen. Besonders nach der Krise von 2008 werden viele ihrer Themen und Positionen Teil der Debatte über Kultur, Umwelt, historisches Erbe und die materielle Produktion von Architektur und Objekten.

Lange fehlt eine grundlegende (architektur-)historische Aufarbeitung. Doch anlässlich ihres 100. Geburtstages 2014 wird das Leben und Werk dieser herausragenden, vielseitigen Architektin und Gestalterin in Publikationen und Ausstellungen wieder entdeckt. Eine solche veranstaltet das Architekturmuseum der TU München. Postum wird Lina Bo Bardi bei der 17. Architekturbiennale Venedig 2021 für ihr Lebenswerk mit einem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

"Einen Le Corbusier mag man bewundern, einer Lina Bo Bardi sollte man nacheifern. Jetzt und zwar weltweit", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" anlässlich der Münchner Ausstellung.

Dem kann ich nur zustimmen, so hat mich ihr vielfältiges Werk angesprochen, ja begeistert...

                                                                             

Und hier wieder die Liste der bereits von mir gewürdigten
"Great Women", für die wir in dieser Woche einen Gedenktag verzeichnen: