Samstag, 26. Mai 2018

Mein Freund, der Baum: Gewöhnliche Traubenkirsche


Auf einem Fußmarsch Ende April fielen mir auf einer Wiese parallel zur Hochbahn eine ganze Gruppe locker beieinander stehender, relativ junger, weiß blühender Bäume auf. Da ich die Kamera immer dabei habe, habe ich ein paar Erinnerungsfotos geschossen und zu Hause dann meine Lieblingsbestimmungsseite im Netz befragt. Das war relativ einfach, denn dort waren nur zehn Bäume mit dem  Merkmal "weiße Blüte" aufgelistet. Und darunter war auch dann schon "meiner":


Bei denen handelte es sich also um die Gewöhnliche Traubenkirsche/prunus padus, auch Ahlkirsche, Sumpfkirsche oder Elsenkirsche, in Österreich Ölexen, Elexsen, Ölasn oder ähnlich geheißen.

Das ist ein nicht allzu großer Baum, der in ganz Europa ( außer dem Mittelmeergebiet und der Balkanhalbinsel ) bis nach Nordasien und Japan zu Hause ist und bei uns vor allem in Auwäldern vorkommt, besonders häufig in Niedersachsen und Sachsen - Anhalt. Das bevorzugte Vorkommen in Auwäldern deutet daraufhin, dass der Baum einen nassen oder zumindest feuchten Lehm-, Ton- oder Sumpfboden braucht, der zudem noch nährstoffreich sein sollte - all das traf auf unsere Wiese, obwohl nicht an einem Gewässer liegend, augenscheinlich zu.

Wie schon geschrieben, ist der Baum recht zierlich, wird maximal 10 - 15 Meter hoch und lebt 60, höchstens 80 Jahre. Er kann auch in Strauchform mit überhängenden Ästen vorkommen ( so ist er mir auch eher aus gemischten, blühenden Hecken bekannt ). Der Stamm wächst relativ gerade mit tiefansetzender überhängender Krone und erreicht eine Stärke von maximal 60 Zentimetern. Die Borke ist graugrün und hat sehr flache, hellfarbige Furchen. Erst bei alten Bäumen zeigen sich Längsrisse. Die Rinde riecht unangenehm wegen des darin enthaltenen Glykosid Amygdalin, welches in Verbindung mit Wasser Blausäure abspalten kann.


Die Blütenstände der Traubenkirsche erscheinen bereits während des Laubaustriebs im April. Diese stehen am Ende belaubter Kurztriebe anfangs fast aufrecht und haben zehn bis zwanzig Einzelblüten, in langen Trauben angeordnet. Gegen Ende der Blühzeit hängen diese Blütentrauben nach unten und können bis zu 20 Zentimeter lang werden. Die 5-zähligen, zwittrigen Einzelblüten sind weiß, gestielt und etwa 1 cm groß. Sie duften stark und manchmal wird der süßliche Duft auch als unangenehm schwer empfunden. Bienen, Käfer und Fliegen hingegen lieben ihn.

Die leicht behaarten Blätter sind 6 bis 14 Zentimeter lang und wachsen an 1-2 Zentimeter langen Blattstielen. Sie haben eine verkehrt-eiförmig bis breit-lanzettliche Form. Die Herbstfärbung ist gelbrot.

Der traubenartigen Fruchtstände reifen im Juli und August, sind erst rot, später schwarzblau und sehen wie glänzende, kleine Kirschen mit einer Größe von 7 bis 8 Millimeter aus. Sie schmecken bitter -süßlich. Das Fruchtfleisch selbst ist giftfrei, schmeckt aber so herb, dass Menschen wenig Gefallen daran finden. Vögel hingegen lieben diese Steinfrucht und tragen auch hauptsächlich zur Verbreitung der Samen bei.


Das weiche, leichte Holz der Traubenkirsche ist elastisch, gut spaltbar und glänzt leicht, aufgrund dieser Eigenschaften ist es also gut bearbeitbar. Im Gegensatz zum Kirschholz ist es jedoch wenig beständig.

Die Traubenkirsche wird in manchen Jahren heftig von der Traubenkirschen-Gespinstmotte befallen. Deren Raupen fressen bis Ende Mai/ Anfang Juni die Gewächse manchmal völlig kahl und verpuppen sich dann in dicht gepackten Gemeinschaftsgespinsten am Stamm oder in der Krautschicht.  Manche Frühsommer konnte ich auf dem Weg zur Arbeit am Straßenrand viele derart befallener Bäume und Büsche sehen, ohne dass mir klar war, worum es sich gehandelt hat. Es werden allerdings nur die Frühjahrstriebe gefressen. Anschließend treibt das Gewächs neu aus ( Johannistrieb ).

Obstbauern schätzen die Traubenkirsche deshalb auch gar nicht in der Nähe ihrer Plantagen, weil sie befürchten, die Gespinstmottenraupen würden auf ihre Obstbäume überwechseln - ein Irrtum, denn diese Falter sind ausgesprochene Nahrungsspezialisten.

Auch wird der Baum von Wicklern der Art Acleris umbrana und Phtheochroa micana befallen, was ihn - neben den Früchten - zu einer wichtigen Nahrungsquelle für Vögel macht.

Die Gewöhnliche Traubenkirsche ist leicht zu verwechseln mit der Späten oder Amerikanischen Traubenkirsche/prunus serotina - Förster und Waldbesitzer nennen diesen Import im 17. Jahrhundert aus Amerika allerdings inzwischen "Waldpest", denn sie breitet sich bei uns invasiv aus, unterdrückt also andere heimische Pflanzen und Sträucher. Ende des 19. Jahrhunderts glaubte man noch, durch breite Anpflanzung forstwirtschaftliche Erfolge zu erzielen, weil die Späte Traubenkirsche in ihrer Heimat ein guter Holzlieferant war. Doch diesen Gefallen tat das Gehölz den Europäern nicht, ganz im Gegenteil: Sie wird bei uns aufgrund anderer Witterungsbedingungen nur ein ausdauernder und wuchernder Strauch. Sie erweist sich als sehr anpassungsfähige Pionierpflanze und ist aus unseren Wäldern fast nicht mehr herauszubekommen, weil sie die unwirtlichsten Plätze erobert, die Böden schnell bedeckt und durch ihr Herzwurzelsystem äußerst standhaft ist, Wind und Sturm trotzt und selbst harte Fröste verträgt. 

Wie man sie von der heimischen Traubenkirsche unterscheiden kann? Die Gewöhnliche Traubenkirsche blüht ein bis zwei Wochen früher und hat hellgrüne und weiche Blätter, die der Spätblühenden sind dunkelgrün mit glänzender Oberseite.

Ghislana /  Jahreszeitenbriefe  sammelt auch an diesem Wochenende wieder die Baumfreunde auf ihrem Blog.





Freitag, 25. Mai 2018

Fortschritt nach Art Saudi - Arabiens


Was soll es doch, nach Vorstellung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, in Zukunft für eine schöne neue Welt für die Bewohner des Wüstenkönigreiches geben! Dies zu verkünden, reiste er zuletzt in etliche westliche Länder und streute allen kräftig Sand in die Augen. Denn auf anderen Ebenen gilt: business as usual, also: Menschenrechte - scheißegal!

So kam im Westen und seinen Medien sehr gut an und wurde als Fortschritt gefeiert, dass nach einem vom König im September erlassenen Dekret ab dem 24. Juni sich Frauen endlich ans Steuer setzen und Auto fahren dürfen. Doch halt! Zu früh gefreut, denn vorher verhaftet man ganz schnell mal fünf führende Frauenrechtlerinnen, die u.a. dafür gekämpft haben, und zwei ihrer Anwälte:

Die Frauen und die beiden Männer ( inzwischen ist auch immer wieder von einer achten Person die Rede ) wurden am ersten Tag des Fastenmonats Ramadan festgenommen ( was bei uns mit einer Festnahme an Heiligabend gleichkäme ). Allen Betroffenen war gemeinsam, dass sie sich nicht nur für ein Ende des Fahrverbots eingesetzt haben, sondern auch verlangt haben, das islamische Vormundschaftsrecht abzuschaffen, welches Frauen so gut wie entmündigt.

Die Verhafteten sind einmal die 28 Jahre alte Loujain al-Hathloul, die bereits 2014 im Gefängnis saß, weil sie mit ihrem Wagen von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus über die Grenze nach Saudi - Arabien fahren wollte, dann die Bloggerin Eman al-Nafjan sowie die 60jährige Computerexpertin Aziza al-Yousef, eine Professorin der Universität von Riad. Verhaftet worden sind auch die 64jährige Psychotherapeutin Madeha Alajroush, ebenfalls zur ersten Generation saudischer Frauenrechtlerinnen gehörend ebenso wie die 60jährige Aisha al-Mana, die  sich 1990 als eine der Ersten für das Frauenfahren eingesetzt hat. Damals verloren alle am Protest Beteiligten ihre Arbeit und wurden in der Öffentlichkeit schwer verunglimpft.

Von links nach rechts, von oben nach unten:
 Loujain al-Hathloul, Aziza al-Yousef, Eman al-Nafjan,
Madeha Alajroush und Aisha al-Mana







Die festgesetzten Männer sind der Bürgerrechtler & Schriftsteller Mohammed al-Rabea und Ibrahim al-Modaimegh, Verteidiger von Loujain al-Hathloul 2014 vor Gericht. 

Als Begründung gab das Innenministerium bekannt, die Verhafteten hätten eine Spionagezelle gebildet, um religiöse und nationale Prinzipien zu beschädigen und hätten verdächtige Kontakte zu "ausländischen Organen" unterhalten. Außerdem sollen die Frauen Regierungskreise infiltriert und finanzielle Hilfe für feindliche Instanzen geleistet haben, "die die Sicherheit und Stabilität des Königreichs untergraben", so ihre Erklärung.

Auch "Mena - Watch" berichtete am 23. Mai über die Vorfälle:
"Die Behörden erklärten, sie ermittelten noch gegen weitere Menschen, die angeblich an den "gegen unser religiöse und nationale Tradition" verstoßenden Aktivitäten beteiligt gewesen seien. Befreundete Aktivisten berichteten, es habe weitere Verhaftungen gegeben, es war aber nicht sofort klar, wie viele. Amnesty sprach von einer "erschreckenden Verleumdungskampagne", die die Menschenrechtsaktivisten abschrecken und diskreditieren solle. Ihre Gesichter seien online und auf der ersten Seite einer Zeitung veröffentlicht worden, und sie seien dort als Verräter bezeichnet worden." ( Quelle hier )
Ausgabe der Zeitung vom 19.Mai
Tatsächlich sind Fotos der Inhaftierten in der staatsnahen Zeitung "Al-Dschasira" veröffentlicht und sie  als "Verräter" gebrandmarkt worden. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Spa teilte mit, dass diese Personen wegen Kontakten zu feindlichen ausländischen Mächten festgenommen worden seien, die die Regierung unterwandern wollten. Sie hätten der inneren Sicherheit des Landes schaden wollen - natürlich alle News völlig auf der Linie des Ministeriums!

Saudische Aktivisten im Exil sind der Meinung, dass diese neue Kampagne gegen Menschenrechtsverteidiger eine weitere Stufe der Eskalation darstelle, die das "Klima der Angst" im Land weiter befördern soll. Auch sie befürchten weitere Verhaftungen.

Kronprinz Mohammed bin Salman  hat die Aktion selbst angeordnet. Man vermutet, dass er einer weltweiten Würdigung der Vorkämpferinnen des 24. Juni zuvorkommen will, denn der Eindruck, die prominenten Feministinnen hätten dem Königshaus diese Reform abgetrotzt, sei ein Zeichen von Schwäche. Außerdem befürchtet man, nach diesem Erfolg könnten die Frauen nun weitere gesellschaftliche Forderungen stellen. Ein Mitglied des Königshofs: "Diese Leute sollen wissen: Niemand kann die Regierung zu etwas drängen."

Als ob sich das irgendjemand in diesem Land einbilden würde! 

Und auch im Westen ist das hoffentlich jedem klar nach über drei Jahren Kampf für die Freilassung des Bloggers Raif Badawi. Über 30 prominente Kritiker, wie die Gründer der Saudischen Gesellschaft für zivile und politische Rechte (ACPRA), sitzen seit Jahren im Gefängnis, neben Raif auch sein Anwalt Walid al-Chair. 

Saudi-Arabien ist und bleibt eine absolute Monarchie ohne Verfassung, ohne gewähltes Parlament, ohne politische Parteien, mit einer abhängigen Justiz und keinen zivilgesellschaftlichen Gruppen, die unbeeinflusst vom Staat arbeiten dürfen. Frau kann es an dieser Stelle nicht oft genug sagen & schreiben.

Ein weiterer, trauriger Rückschlag...


Friday - Flowerday # 21/18








Meine Blümchen sind heute wenig spektakulär.
Dafür biete ich euch Vasen in allen Farben des Regenbogens, 
die mir der Herr K. gegönnt hat, 
weil doch die Arbeit an der Datenschutzerklärung 
meine Laune öfter in den letzten Wochen destabilisiert hat. 

























Aber ich bin noch da, 
und das ist hoffentlich mehr wert
als jeder prächtige Blumenstrauß.
























Den tollen Duft, 
den die Rosen verströmen,
müsst ihr euch dazu denken.
So hat sich das Internet nach der Stunde Null nicht verbessert...

























Und weil ich in den letzten Tage mehr unterstützende Mails geschrieben habe
als in meinen Garten zu gehen,  
habe ich zusätzlich nur Blätter des Storchschnabels und der Haselwurz 
für mein Stillleben gepflückt 
( die findet man nämlich direkt an meiner Terrasse ).


Für mich ein echter Augenschmaus. 


Euch allen hoffentlich ein erstes Aufatmen und ein schönes sommerliches Wochenende!

Verlinkt mit Helga Holunderbluetchen®